Japans einziger Ebonit-Hersteller verkauft eigene Füller – und jede Farbe ist nach einer Szene benannt

Jeder fünfte Füllhalter besteht aus Ebonit – mit Schwefel gehärtetem Naturkautschuk, erfunden Mitte des 19. Jahrhunderts. Ein Werkstoff, älter als Kunststoff, und weiterhin im aktiven Dienst.
Das einzige Unternehmen Japans, das Ebonit noch selbst herstellt, sitzt in Arakawa, Tokio: Nikko Ebonite Manufacturing, gegründet 1952.
Und dieses Unternehmen verkauft eigene Füllhalter, unter dem Namen Eboya.
Was passiert, wenn der Materialhersteller den Stift baut
Legt man alles von Eboya nebeneinander, ist es verblüffend geordnet.
Fünf Formen × acht Farben × drei Größen.
Die Formen heißen Hakobune, Houju, Natsume, Houga und Kyouka. Jede gibt es in denselben acht Farben und jede in L, M und S. Welche Form man auch wählt, dieselben Farben stehen bereit.
Diese Symmetrie ist nur möglich, weil man das Material selbst macht. Die Farbe entsteht schon beim Anmischen des Ebonits.
Jede Farbe trägt den Namen einer Szene
Das Schönste ist die Benennung. Nichts heißt Rot, Orange oder Gelb.
- Tanshin – „scharlachrotes Herz“ (Rot)
- Higure – „Einbruch der Nacht“ (Orange)
- Kougetsu – „Mond auf dem Fluss“ (Gelb)
- Shinkai – „Tiefsee“ (Blau)
- Shinryu – „göttlicher Drache“ (Beige)
- Wakaba – „junges Laub“ (Gelbgrün)
- Kunpuu – „duftender Wind“ (Grün)
- Kuro – Schwarz
*Kunpuu* ist der Frühsommerwind, der über frisches Laub streicht. *Kougetsu* der Mond, der sich im Fluss spiegelt. Weniger Farbnamen als Beschreibungen der Szene, in der diese Farbe erscheint.
Ebonit verändert sich zudem mit den Jahren und bräunt zu einer Patina. Der Gedanke, dass die gekaufte Farbe nicht das Ende ist, scheint in der Namensgebung angelegt.
Ein Schreibgerät der Edo-Zeit, bis heute im Programm
Zum Sortiment gehört ein Yatate.
Ein Yatate ist ein tragbares Schreibzeug – Pinsel und Tuschebehälter in einem Körper –, in der Edo-Zeit weit verbreitet. Eboya baut eines als modernen Füllhalter. 77.000 ¥, über den 65.000 ¥ der fünf Grundformen.
Verwandt dazu steht Ricchiku bei 75.000 ¥. Allein diese beiden verwenden andere Farbnamen – darunter *Akebono*, „Tagesanbruch“ – offenbar als eigene Palette neben den acht Grundfarben.
Die Tinten sind nach dem Viertel benannt
Eboya macht auch Tinte. Drei Farben, wunderbar benannt:
- Shitamachi no yuuzora – „Abendhimmel der Altstadt“ (Rosa)
- Shitamachi no seiran – „Indigo der Altstadt“ (Marineblau)
- Shitamachi no uguisucha – „Laubsänger-Braun der Altstadt“ (Sepia)
*Shitamachi* ist das alte, tiefer gelegene Viertel Tokios – Arakawa, wo die Fabrik steht. Die Adresse des Materialwerks ist zum Namen der Tinte geworden.
Der Preis folgt der Größe
Gleiche Form, gleiche Farbe, andere Größe, anderer Preis.
- Groß – 65.000 ¥
- Klein – 51.000 ¥
14.000 ¥ Unterschied. Ebonit wird aus dem Vollen gedreht, ein größerer Schaft verbraucht also mehr Material. Passend für die Marke eines Materialherstellers folgt der Preis ehrlich der Materialmenge.
Am teuersten ist das Yatate mit 77.000 ¥, am zugänglichsten der tan-pen mit 47.800 ¥. Tinte kostet 3.000 ¥.
Was man zuerst festlegt
Farbe und Größe vor der Form entscheiden. Jede Form führt dieselben acht Farben, und der Preis hängt fast ausschließlich an der Größe.
Und man bedenke: Ebonit bräunt im Gebrauch. Die gekaufte Farbe ist eine Wegmarke, kein Ziel.
(Listenpreise inkl. Steuer, Stand August 2026. Firmenangaben nach nikkoebonite.main.jp.)